Der Chor der evangelischen Kirchengemeinde feiert runden Geburtstag. Am 8. November wird es ein Konzert zum 90-Jährigen geben. Möglicherweise müsste vor der Zahl mindestens eine „1“ stehen.
Die Vorbereitung auf das Jubiläum laufen auf Hochtouren. Eine Probe und die Generalprobe runden den Reigen der Einstimmung auf das Konzert am Sonntag, 8. November, ab 17 Uhr, in der kommenden Woche noch ab. „Wir liegen gut im Zeitplan und kommen bis zum Termin gut hin“, ist Chorleiterin Conny Bossert sicher.
Die Stimmung im Chor sei gut, sagt sie. „Wenn es auf so ein Ereignis zugeht, dann sind alle mit einem gewissen Ernst dabei. Aber es gibt auch große Freude, wenn wir merken, dass das, was wir uns vorgenommen haben, auch klappt.“
Und letztlich sei der Anlass für das Jubiläum, dass es den Kirchenchor Aldingen seit 90 Jahren ununterbrochen gibt, schon etwas Besonderes. „Wir sind sehr dankbar für die Zeit“, sagt Bossert, die für das Jubiläum eine Festschrift erstellt hat.
Wie alt der Chor wirklich ist, lässt sich nicht genau beziffern. Aus früheren Texten hat Bossert herausgearbeitet, dass es eine erste Erwähnung schon im Jahr 1817 gab.
Orts-Chronist Wilhelm Marquardt hatte für den Vorabend des Reformationstages vermerkt, dass eine Gruppe geübter Sänger „durch herzerhebendes Absingen“ einiger Lieder die Nähe zum 31. Oktober verkündet hatten. Dabei könne es sich, so steht es in der Festschrift, aber auch um einen Vorgänger des Gesangvereins Frohsinn handeln, der im Jahr 1843 gegründet wurde.
Eindeutig belegt ist die Existenz des Aldinger Kirchenchores ab 1844. Der damalige Pfarrer Moegling schrieb in seinen Pfarrberichten, dass für die Förderung „eines sanften, feierlichen und harmonischen Kirchengesangs gesorgt“ werde. Das Gründungsdatum des Kirchenchores wird aber möglicherweise wohl einige Zeit davor liegen. Der Pfarrer berichtete ab 1844 im Zweijahresrhythmus über das Thema „Kirchengesang“.
Zur Zäsur des Aldinger Kirchenchores wird der Erste Weltkrieg. Im Pfarrbericht teilt der damalige Pfarrer Gommel zu Beginn des Krieges im Jahr 1914 mit. „Der Kirchenchor hat sich aufgelöst.“
Erst im Jahr 1936 wurde der Chor durch Paula Hengstler, Tochter des Fabrikanten Johannes Hengstler neu belebt. Sie hatte „Aldinger Frauen und Mädchen zu einem evangelischen Singkreis“ versammelt. Später schlossen sich auch sangesfreudige Männer an. „Das hat mich angerührt, dass sich Paula Hengstler hinstellt und sagt: Jetzt wird gesungen. In der Zeit war es gefährlich, die christliche Botschaft weiterzutragen“, sagt Bossert.
Insgesamt sechs Chorleiterinnen und Chorleiter haben seitdem ihren Anteil dazu beigetragen, dass der Aldinger Kirchenchor seit neun Jahrzehnten ununterbrochen besteht. Neben der Zeit des Zweiten Weltkriegs, in der es „nicht selbstverständlich war, sich frei und ohne äußere Zwänge zur Kirchenmusik zu bekennen“, so Bossert, wurde auch die Corona-Pandemie zur besonderen Herausforderung.
Bossert weiß das noch aus eigener Erfahrung ganz genau. Sie war erst wenige Wochen als Chorleiterin im Amt, als Bund und Länder aufgrund der Pandemie weitreichende Kontaktbeschränkungen beschlossen. „Was sollte ich tun mit einem Chor, den ich gar nicht richtig kannte? Wie sollte ich eine Beziehung zu den Sängerinnen und Sängern aufbauen?“
Sie verschickte Briefe mit Gebeten, Texten und Liedern, die zu Hause gesungen werden konnten – in der Zeit insgesamt 60 Stück. „Es hat niemand den Chor verlassen. Es waren alle wieder da, als die Proben wieder regelmäßig stattfinden konnten“, freut sich Bossert über den Zusammenhalt.
Und sie werden am Sonntag, 8. November, auch da sein, wenn ab 17 Uhr das 90-jährige Bestehen gefeiert wird. Das Konzert der geistlichen Abendmusik bestreiten der Kirchenchor, der 30 Sängerinnen und Sänger umfasst – aufgeteilt von Sopran bis Bass, und der Posaunenchor unter der Leitung von Christian Vosseler gemeinsam.
Unterstützt werden die Chöre noch von fünf Instrumentalisten, die Flöte, Cello, Klavier oder Orgel spielen. „Es gibt Sängerinnen und Sänger, die schon seit 60 Jahren dabei sind. Das finde ich ganz wunderbar“, sagt Bossert, die mit ihrem Chor nicht Musik in der Kirche, sondern Kirchenmusik macht.
Die Stücke, die im Gottesdienst gesungen werden, werden passend zu Predigt, Psalm und Wochenlied ausgesucht, erklärt sie. „Musik spricht noch einmal anders an. Ich möchte, dass das gesprochene Wort auch durch das gesungene Wort weitergetragen wird.“
Passend dazu wird das Konzert mit Lobe den Herren eröffnet. „Das ist der Dank für die vergangenen 90 Jahre. Wir sollten uns klar machen, dass es Länder gibt, wo die Menschen nicht so singen dürfen, wie wir“, erklärt Bossert.
Übrigens werden beim Jubiläum auch die Besucher an verschiedenen Stellen in den Gesang einstimmen. „Wir wollen ja nicht zeigen, wie toll wir sind. Wir wollen die Gemeinde in die Feier einbeziehen.“
Im Kirchenchor aktiv sind:
Sopran: Doris Bay, Brigitte Betting, Herta Bohner, Gisela Brändle, Uschi Buddatsch, Marga Haller, Ruth Hauser, Ursel Hengstler, Sieglinde Kamm, Petra Lincker, Hannelore Löffler, Ingrid Schulz, Ilse Schweikert, Birgit Springer.
Alt: Elke Dörflinger, Vera Essert, Margret Haller, Kathrin Held-Reger, Edith Huber, Bettina Kowalski, Marianne Merkt.
Tenor: Karl Haller, Achim Hauser, Gottfried Kieninger, Paul Müller.
Bass: Martin Berner, Siegfried Herrmann, Michael Idler, Rudolf Springer, Rolf Müller.
Instrumentalisten: Ingrid Kirsammer, Almuth Braun, Sigrid Gruel (alle Flöte), Stephan Wohlgemuth (Cello), Thomas Walz (Klavier/Orgel).
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